Es wurde mal wieder getiltet. Nachdem letztes Jahr die Kieler Woche dran glauben musste, ist jetzt ganz Kiel geschrumpft. Zur Vorantreibung des Fertigwerdens wurde ein als freies Projekt deklariertes Tilt-Shift-Filmchen über einen Tag, bzw. beinahe ein Jahr, in Kiel angefertigt. Tilt-Shift ist dieser Effekt, der seit Mitte der 2000er seine Runden im Internet auf Fotos zieht und teilweise auch schon ausgiebig von der Werbeindustrie in Videos durchgenudelt wurde. Bei dem Tilt-Shift-Effekt werden Aufnahmen mittels digitaler Nachbearbeitung oder sogar mit echtem Tilt-Shift-Objektiv so manipuliert, dass sie wirken wie Aufnahmen echter Miniaturmodelle. In der Hoffnung, noch gerade rechtzeitig vor der Übersättigung an Tilt-Shift-Bildern dran zu sein, habe ich also einige viele Aufnahmen mit meiner kleinen treuen DSLR angefertigt, diese im Nachhinein digital überarbeitet und geschrumpft. Dabei gingen so einige bitterkalte Stunden mit Warten und Beobachten zu so ziemlich jeder Tageszeit drauf. Kiel ist jetzt nicht unbedingt eine Stadt, die sich mit reichlich natürlichen Erhebungnen oder hohen Gebäuden auszeichnet – selbst, wenn sie mal hoch sind, kommt man nur schwer oben drauf oder es gibt nix zu sehen und die Kräne sind alle schon von sexuell angeregten Pärchen besetzt. Man will es sich selbst ja auch nicht zu schwierig machen und ständig an irgendwelchen Türen klingeln, ob man mal aufs Dach darf. Was ich sagen will, sicher hätte man noch wesentlich tollere und höhere Perspektiven finden können und sowieso vieles besser machen können. Manchmal muss man sich mit dem Machbaren zufrieden geben und sich darüber freuen, dass es vielleciht nicht die perfekteste Perspektive ist aber immerhin passiert etwas vor der Linse. Immer dieses duckende Vorabentschuldigen… Jedenfalls hatte sich rund 300 GB Rohmaterial angefunden, von dem es sich nur schwer trennen ließ. Also wurde reingekloppt, was ging. Vielleicht zuviel, man sollte es all you can eat betrachten – am Ende ist einem zwar schlecht vor zuviel essen aber man ist glücklich. Ein wenig schicke Musik drunter, fröhlich rumgeschnippelt, dazu noch ein paar Effekte und fertig ist das Tilt-Shift-Video über Kiel, das einem einen ganzen Tag, vielleicht sogar ein ganzes Jahr, im Leben der Stadt präsentiert und sie dabei von ihrer miniaturisiertesten Seite zeigt. Man hofft, dass es gefällt.
Smalltown Kiel – ein kleiner Film zur Stadt from René Raab on Vimeo.
Um den Effekt am besten und voll zu genießen, empfiehlt es sich ihn direkt bei vimeo in HD und Vollbild anzugucken.
Wenns nicht gefällt, auch kein Problem. Immerhin hat man reichlich gelernt, viel ausprobiert und definitv die eigene Arbeitsweise verbessert. Unter anderem, wie toll Filter sein können oder wie man den Sensor reinigt, nachdem man halb Kiels Schmutzpartikel drauf eingefangen hat. Beim Schreiben der Dokumentation sogar endlich mal richtig verstanden, was man da eigentlich macht. In diesem Sinne danke ich allen, denen ich aufs Dach steigen durfte und Patrick, der mir den motivatorischen Anschub zur Projektidee gab und auch Stephan (von dem ich ein paar Bilder reingeschmuggelt hab) und Andrea, mit denen das Ganze zur letzten Kieler Woche startete, danke ich. Würde sagen, jetzt wird es Zeit für euch nachzuziehen und den Süden zu tilten, auf welchem Kontinent auch immer. Zum Schluss möchte ich noch dem Wettergott und den Menschen mit Verständnis für Dankesreden danken. Ohne euch wäre ein so unglaublich anstrengendes, aufwendiges und extrem schwieriges Projekt, welches defintiv nur was für Profis ist, nie möglich gewesen. Manche werden behaupten, es ist nicht besonders förderlich, Texte nach durchgemachten und von Schlafentzug dominierten Tagen zu schreiben, andere werden einfach ihre Freude dran haben. Zur Entspannung und, damit sich der Kopf mal wieder frei machen kann von diesem ganzen grässlichen Projektgedöns, werde ich dann auch sogleich mich dran machen und am Industrieprojekt weiterarbeiten. Sind ja auch nur noch 2 Woche bis zur Abgabe. Ein Glück, dass mein Zeitmanagement so hervorragend nicht funktioniert, sonst würde ich am Ende noch gestresst sein. Ach quatsch, es macht ja doch alles Freude und bringt Befriedigung beim Austoben der kreativen Energie – wohl ein Grund, warum so wenig für anständig oft erscheinende Texte übrig bleibt. Wenn der Welt jetzt auch noch gefällt, was meiner einer geschaffen hat, war und ist es all die Arbeit wert und ich bin ein glücklicher Mensch.
Bonuspunkte gibt es für diejenigen, die sich selbst finden oder den Dieb.
Ganz ohne Bonuspunkte gibt es als Bonus noch Bilder, die während der Dreharbeiten angefallen sind.
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