Rundumschlag zum Jahresende

Ganz offensichtlich ist der Wille zur Dokumentation in den letzten Jahren stark eingerostet. In letzter Zeit könnte man sogar von komplett eingeschlafen reden. In bester Tradition hilft in diesen Fällen am besten das Schreiben über das Nichtschreiben. Also, woran liegt es? Warum steht hier so wenig? Ist es einfach nur der fortschreitenden Veränderung des eigenen Ichs geschuldet? Das Älterwerden und die Abkehr von alten Mustern gepaart mit einer Neubewertung von Interessenfeldern? Sicherlich, das hat immer irgendwie Einfluss und was damit zu tun. Vielmehr ist vielleicht aber auch die stärkere Spezialisierung und Intimisierung der Themen mit dem persönlich höchsten Stellenwert dafür verantwortlich, was letztendlich auch immer sehr viel mit dem Älterwerden zu tun hat. Die Abkehr vom Allgemeingültigen hin zur Privatsphäre und ein verstärktes Verständnis für eben diese, gepaart mit einer erhöhten Aufmerksamkeit für die eigene Person. Dieses Jahr war durchaus das Jahr, in dem zum ersten Mal der eigene Name breit gefächert durch die mediale Öffentlichkeit gereicht wurde und wenn dies auch nicht der Auslöser war, so verdeutlichte es doch noch mal, wie ungerichtet ein Beitrag im Bezug aufs Zielpublikum ist. Insbesondere, wo doch nach eigenem Empfinden die Texte am besten waren, in denen sich aufgeregt wurde. Wenn aber, mit der fortschreitenden Deanonymisierung es immer wahrscheinlicher wird, dass der Rezipient nicht nur Zeuge des Gezeters und der allgemeinen Wut ist, sondern auch Adressat, sollte man sich schon überlegen, worüber man sich aufregt und ob dies dauerhaft dokumentiert werden muss. Andererseits ist vielleicht auch einfach das Gemüt ausgeglichener geworden und die Erkenntnis, dass alles gar nicht so schlimm ist mit der Zeit verstärkt eingesickert. Sich aufzuregen und schlechte Laune schadet letztendlich doch meist mehr einem selbst als allen anderen.

Dabei gab es genug Gründe und auch Momente, in denen genau diese Erkenntnis dem Zorn über die Unfähigkeit von Menschen und ihrer Ignoranz wich. Man nehme nur ein Amt, mit dem man sich seit fünf! Monaten rumärgert und darauf wartet, dass dort auch mal gearbeitet wird. Das nicht in der Lage ist, innerhalb eines Monats Anträge zu bearbeiten, geschweige den in fünf! Wenn dann doch mal was bearbeitet wird, dann offensichtlich fehlerhaft, ohne ein Verständnis dafür, was der Unterschied zwischen halbjährlich und monatlich ist und vielen weiteren haareraufenden Unzulänglichkeiten. Ein Dauerbrenner im Bereich des Aufregens und immer wieder gut für einen Schreikrampf, mit keinem schnellen Ende in Sicht.

Oder nehmen wir die völlige Ignoranz der Realität und ihren Fakten zur reinen Aufmerksamkeitshascherei mit dem Resultat, man wünschte die Welt würde schon heute untergehen, nur um dem ganzen dummen Gerede zu entkommen. Was soll man dazu noch groß sagen, einmal google benutzt und der nicht gänzlich ignorante Leser weiß, dass es keine Prophezeiung gibt, das niemand irgendwas Signifikantes vorhergesagt hat und auch sonst nichts im besonderen auf einen Untergang in irgendeiner Art hinweist. Nicht mehr als an jedem anderen beliebigen Tag, den wir kreischend auf unserer blauen Murmel verbrachten und verbringen. Trotzdem hört man alle Nase lang idiotisches Gerede, zumeist sogar mit dem Wissen, dass alles idiotisches Gerede ist, aber doch mit genug Wer-weiß-schon-Genaues, kann-man-es-wirklich-ausschließen in der Aussage, dass es nicht verstummt. Das Ende ist absehbar und wird gänzlich ohne aufregende Spezialeffekte auskommen, dafür mit umso mehr Hab-ich-eh-nie-geglaubt, sicher-ist-sicher und noch viel mehr Schweigen als wäre nie was gewesen. Schweigt doch einfach jetzt schon mal zur Übung! Leider wird es jedoch wieder kommen, es wird ein neues Datum geben und die ganze Maschine wird wieder und noch aufgeregter anlaufen mit genug unterschwelliger Hysterie um erneut ein paar arme Seelen glauben zu machen, das Ende stehe bevor und dem Rest eine angebliche Begründung liefern, darüber reden zu müssen.

Wo wir schon dabei sind uns aufzuregen: Wie wär’s mit dem Klassiker, die Bahn? Gerade erst heute Morgen stand diese eine gefühlte Ewigkeit in dunkler Nacht im düsteren Neumünster rum und verweigerte die Weiterfahrt nach Hamburg. Ungefühlt waren es 52 min und als es endlich wieder weiter ging, wollte sie nicht weiter als bis Pinneberg und ließ einen umsteigen um schnell wieder zurück nach Kiel zu kommen. Wenn man ehrlich ist, fährt sie in der Regel tatsächlich relativ pünktlich und zuverlässig. Aber das ist Statistik, die Realität bedeutet, dass mindestens einmal in der Woche und gerne auch öfter, irgendwas aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert. Was wiederum eine enorme Geduldsprobe darstellt, wenn die tägliche reguläre Zeit, die man in Bus & Bahn zubringt, sowieso schon bei fast vier Stunden liegt. Pendeln zwischen Kiel & Hamburg sei dank, habe ich meinen Frust am Zugfahren zurückgewonnen.

Warum überhaupt Pendeln? Hiermit wären wir beim persönlichen Teil. Der Part, den man lieber im Unklaren lässt, um sich weniger angreifbar und auffindbar zu machen. Wozu das? Muss das? So klar definiert ist es einem selbst nicht, aber es wabert ein Gefühl herum, dies schützen zu müssen. Andererseits ist es wieder einmal kurz vor Ende des Jahres, die Zeit der Rückblicke und Verklärung dessen, was war. Auch, wenn das Jahr noch nicht ganz rum ist, zu Silvester setzt eh bloß eine melancholische Gefühlsduseligkeit ein, die zu den immer gleichen Floskeln führt. Wollen wir also kurz zusammenfassen, was dieses Jahr bedeutsam war, indem man sich spontan dran erinnert.

Zu Anfang bereitete mir mein kleines Video über Kiel enorme Freude. Plötzlich guckten es alle und wollten darüber reden. Dieses letztendlich doch imperfekte Video, mit einer längst überpräsenten, simplen Nachbearbeitung wurde plötzlich von einer Menge Menschen sehr gemocht. Eine Situation, die einen völlig überfährt und einen wunderbaren Rausch auslöst. Nach der Abarbeitung dieses wunderbaren Ereignisses und seiner Nachwirkungen, die ab und zu auch noch heute andauern, stand als nächstes die Beendigung des Studiums auf dem Plan. Klappte nach Anlaufschwierigkeiten letztendlich sehr gut. Die darauf folgende Wiedereingliederung ins Arbeitsleben hatte erneut leichte Anlaufschwierigkeiten, da sich erstmal eine Jobbezeichnung für das finden musste, was man tun will bzw. man musste rausfinden, was es denn ist, das man tun will. Die übliche unentschlossene Ziellosigkeit der eigenen Person also. Allmählich ist das Bild wesentlich klarer und eine Marschrichtung hat sich herauskristallisiert. Unterstützend dabei waren zum einen vier Wochen als Fahrer bei einer kleinen Kinofilmproduktion, sowie das aktuell andauernde Praktikum bei der Fernsehagentur in Hamburg. Womit sich auch die tägliche Pendelei erklärt. Ein direkter Umzug nach Hamburg wäre dann doch etwas überstürzt, das kann immer noch passieren, wenn’s tatsächlich ernst werden sollte. Doch ja, es gibt inzwischen einen Ansatz, eine Vorstellung dessen, was es sein könnte und vor allem, was schon mal nicht. Wie & wo & was & so weiter wird wie üblich die Zukunft zeigen.

Jetzt sind wir also schon in der Zukunft angekommen. Wie sehr viel mehr Text es zukünftig geben wird, vermag ich nicht zusagen. Viele kurze Gedanken verschwinden zu schnell in den Untiefen der üblichen sozialen Netze und schaffen es gar nicht erst zu einem vollständigen Text. Die Seite in seiner aktuellen Inkarnation ist auch bereits über vier Jahre alt und könnte eine Anpassung an die Neuzeit vertragen. Aber wozu zu viele Gedanken machen. Jetzt erstmal besinnliche Tage und dann mal schaun.

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Aus aktuellem Anlass

Sowas darf man, als Bachelor of Arts! Zumindestens ab und zu. Fertig und zufrieden, der Sommer kann kommen.

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Letzte Woche

Manche Dinge tut man sich immer wieder und wieder an und das trotz Stress und Anstrengung. Eines dieser Dinge ist zum Beispiel die Kieler Woche Online Redaktion. Fast seit Anbeginn des Studiums hat man sich jedes Jahr wieder dazu aufgerafft einen großen Teil der Kieler Woche damit zuzubringen, diese in Bild und Ton festzuhalten. So auch in diesem Jahr. Damit ist es das vierte und auch das letzte Mal als Bachelor-Student. Viel hat sich in der Zeit an den Fähigkeiten und Arbeitsweisen verändert und soweit lehne ich mich aus dem Fenster: Sie haben sich verbessert. In diesem Jahr gabs eine kleine Umfrage zum Schietwetter, den obligatorischen Bericht über die deutschen Segler und einen über den Ocean Night Jump. Dieser soll hier als kurzes repräsentables Werk der Woche herhalten:

DirektSchietwettertube

Bei dem Dreh sind wir fast genauso nass geworden wie die Springer, aber immerhin hat der Regen kurz genug Pause gemacht, um ein paar Bilder einzufangen. Gut, dass die Kamera nicht so empfindlich ist, aber nächstes Mal brauch ich mindestens einen designierten Schirmhalter.

Als finale Gabe an die Redaktion spende ich außerdem noch ein Wir-über-uns-Video, welches den Redaktionsalltag, die damit verbundene Arbeit aber auch die emotionale Wirkung der Woche präsentieren soll:

Wir über uns KiWo ’12 from René Raab on Vimeo.

Damit war es das also mit der KiWo Redaktion. Vielleicht feier ich das nächste Jahr einfach mal während der Woche oder aber es finden sich andere Wege, diese filmisch zu begleiten. Wie auch immer, war mal wieder eine produktive Woche. Zu guter letzt noch ein paar Bilder:

Hier gibt es die Bilder auch in der entsprechenden Galerie.

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Abschließende These

Ende letzten Monats war es soweit, Abgabetermin der Bachelor Thesis. Irgendwie war die Zeit danach ein wenig verschwommen. Jedenfalls ist noch ein Text dazu liegen geblieben und bevor der gänzlich verloren geht, wird er jetzt nochmal fix rausgehauen. Dafür gibt es morgen auch direkt noch einen KiWo Beitrag.

21.402 Wörter später ist es tatsächlich zu Ende gebracht. Die eigene Bachelor Thesis, die einem soviel Zeit raubte und für Tage an den Schreibtisch band, ist fertig geschrieben. Vor zwei Monaten war das noch eine völlig unrealistische Vorstellung. Der erste Monat voller ausgeprägter Schreibblockade und ein wenig Recherche, ab und zu. Der zweite dann reichlich gefüllt mit anderweitigen Verpflichtungen und der Angst, immer noch nicht schnell genug zu schreiben. Das hat reichlich an den Nerven gezerrt und wäre ohne den seelischen Beistand sicher wesentlich desaströser ausgegangen. Ordnet man die Wörter alle fein säuberlich hintereinander, gibt dem Ganzen ein formales Layout, mischt ein paar Bilder dazwischen, dazu noch die üblichen Dinge wie Quellen und Inhaltsverzeichnis und einen völlig ausufernden Anhang, steht man plötzlich mit 134 Seiten Thesis da und wundert sich, wie das passieren konnte. Muss an den furchtbar fähigen und liebevollen Lektorinnen gelegen haben, denen ich mindestens zu Dank verpflichtet bin. Ausgedruckt bringt das Machwerk stolze 850g auf die Waage. Hab mir fast n Bruch gehoben beim Ausladen der drei Ausführungen im Prüfungsamt. Sollte es nochmal notwendig sein, soviel zu schreiben, such ich mir direkt einen Ghostwriter, bei dem der Druck inklusive ist. Viel teurer kann das auch nicht werden. Nebenbei, das Thema war übrigens: Den Gemeinsamkeiten und Unterschieden bei CSI auf der Spur: eine formalästhetische Analyse. Jetzt fehlt nur noch eine Note für das Ganze und verteidigt werden muss es auch noch, aber alles zu seiner Zeit. Jetzt erstmal darum kümmern, nicht ins Postprojektloch zu fallen, sondern sinnvolle und weniger sinnreiche Beschäftigungen zu finden. Papiermüll entsorgen wäre ein guter Anfang.

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Entwicklungskonferenz der Kiel Region

Die Kiel Region umfasst die Kreise Plön, Rendsburg-Eckernförde und Kiel und eben für diese Region versucht man aktuell ein gemeinsames Entwicklungskonzept zu gestalten. Dabei geht es um die verschiedensten Dinge, über die viele Leute aus Wirtschaft und Politik hoffentlich erfolgreich in der nächsten Zeit diskutieren. Im März fand man sich zusammen, um dem Ganzen einen Startschuss zu geben, Grundlegendes zu erarbeiten und gemeinsam die Region voran zu bringen. Damit es nicht dabei bleibt und alles in den schönen Erinnerungen verfliegt, sollte die Veranstaltung auch in Bild und Ton abgelichtet werden. Gesagt getan. Meiner einer schnappte sich Tim Butenschön als fleißigen Kameramenschen, stand ihm nützlich mit der Tonangel und als Redakteur zur Seite und bastelte am Ende ein kleines Video aus dem Material. Dies ist nun also die Dokumentation der Veranstaltung Regionalkonferenz des Regionalen Entwicklungskonzeptes Kiel Region, welche einen Einblick in die Ziele und das Wirken der Verantwortlichen liefert. Wer möchte als nächstes?

Entwicklungskonferenz der Kiel Region from René Raab on Vimeo.

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    • ExCheffe: Schön, schön, wird ja alles bei dir. Alles Gute weiterhin und frohe Feiertage. Viele Grüße vom ExChe ...
    • netfighters: Also ich habe Kiel erst in diesem Jahr kennen und lieben gelernt und sehr vieles was in dem Video zu ...
    • ExCheffe: Glückwunsch und aussprechende Annerkennung!!! ...
    • ExCheffe: Jaaaaaaa! Vieleicht beim Master :-) Gruß ExCheffe ...
    • raven: per spontan Einfall im Dozenten Büro :) mein erstes Thema, was aufgrund von Projekten und zeitlicher ...