Motivation durch Gleichgültigkeit

Manchmal ist die Suche nach der Motivation eine der schwersten. Man überlegt sich, warum man überhaupt etwas machen soll oder wieso man irgendwo hingehen muss. Dabei kommen nicht unbedingt viele motivierende Argumente zusammen. Draußen ist es kalt, der Weg ist weit und die Zeit kostbar. Warum also opfern für etwas, wozu man eh nur mangelnd motiviert ist, von dem man gar nicht nachhaltig überzeugt ist?! Selbst wenn man den Weg zur Stätte des Geschehens längst getätigt hat und sowieso nicht wieder so schnell weg kommt, es also gar keinen Unterschied macht, ob man hingeht oder weg bleibt, selbst dann überkommen einen noch Zweifel, ob man es sich wirklich antun soll. Die Stühle sind hart, der Raum stickig und richtig Ruhe zum anderweitig sinnvollen Beschäftigen hat man auch nicht. Warum also überhaupt das Gebäude betreten? Die Hoffnung, etwas Sinnvolles zu lernen, ist längst dahin und wenn nicht, dann macht sie doch die realistische Betrachtung der Lage, man passt nach 10 Minuten eh nicht mehr auf, zunichte. Dennoch, man geht rein, setzt sich auf einen Platz und fragt sich 10 Minuten später: was macht man eigentlich hier? War es die Gesellschaft, die mich herlockte, der Herdentrieb, die verpasste Gelegenheit zu flüchten als noch Zeit war? Warum fehlt der Rest, der wenig früher noch da war, nur man selbst nicht? Man versucht zu folgen und stellt fest, dass es nichts direkt Nützliches gibt, lediglich Handbuchinformationen, welche auswendig gelernt auch keinen klügeren Menschen aus einen machen – höchstens einen wissenderen. Aber angeben ist eine unfeine Angelegenheit, wird einem als Charakterschwäche ausgelegt.

Kein Nutzen also in dieser Stunde und auch keiner in der nächsten halben. So verbringt man die Zeit im Selbstzweifel – bis es wieder losgeht, man wieder vor der Tür, vorm Gebäude steht und sich fragt: Soll ich wirklich?? Am Ende sitzt man doch wieder in einer der Reihen, jedes Mal vielleicht weiter hinten, aber doch mitten drin. Reflektiert man am Ende des Tages einmal, warum und wieso man dies alles durchgemacht hat, muss man sagen, die Gleichgültigkeit ist schuld. Der Wille, sich zu sträuben, war zu gering und so ging man einfach hin, wo man schon mal da ist. Was besseres hat man eh nicht zu tun und den ganzen Tag schlafen kann man irgendwann auch nicht mehr vor sich selbst rechtfertigen. Aus reiner Gleichgültigkeit zeigt man sich von seiner besten Seite und mimt den Daueranwesenden anstelle des Schwänzers. Gelernt hat man trotzdem nichts, aber wenigstens kann man so tun als hätte man was sinnvolles gemacht. Das Gewissen ist beruhigt und die Plätzchen geplant. Am Ende also ein durch und durch erfolgreicher Tag. Morgen geht’s weiter, denn irgendwo ist es doch nicht nur Gleichgültigkeit. Man weiß es doch inzwischen besser: zu lernen gibt es immer etwas und ist es nur die Fähigkeit, seinen Schweinehund zu überwinden und anwesend zu sein, was da auch gelehrt wird und mit welcher Begründung auch immer. Irgendwofür wird es schon gut sein. Hauptsache es geht nicht verloren.

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