Nebelschwaden

Reichlich undurchsichtig die Welt im Moment. Auch wenn es zwischendurch mal Tage der Klarheit gab, so bleibt doch konstant das Wetter eher negativ ausgerichtet. Trübsal blasend regnet es in ekliger Kleingeistigkeit und durchfeuchtet die Welt im Gesamten. Wacht man den einen Tag noch zu strahlend blauem Himmel auf, so muss man sich am nächsten schon wieder damit abfinden, dass Grau in Grau keinen Motivationsschub liefert. Absolut nicht hilfreich, wenn es darum geht, Gründe zu finden, das Bett überhaupt zu verlassen. Diese Unzuverlässigkeit ist vielleicht der Grund dafür, warum das Leben sich verlagert in die Dunkelheit der Nacht. Hier kann man sicher sein, dass Lampen erstrahlen und die Welt erleuchten lassen in bunten schimmernden Farben. Ob es dann regnet oder schneit ist fast schon zweitrangig, man tobt eh in irgendwelchen schummrigen Kellern durch die Gegend und bekommt davon nichts mit.

Dort in der ewigen Nacht spielt es keine Rolle, wie es draußen aussieht. So werden Tage zu Nächte und man selbst Teil des singenden, tanzenden Abschaums der Welt. Schweiß getränkte Luft und der unbändige Drang zur Bewegung machen einem das Atmen schwer. Körper gedrängt auf kleinster Fläche, in der einsamen Hoffnung auf Kontakt, vereint bedrängen sich gegenseitig und verschmelzen zu einer homogenen Masse von Individualisten. Jeder für sich wird Teil des Ganzen und hält sich an der Illusion der Einzigartigkeit fest. Dabei ist der Rhythmus vorgegeben und lässt Abweichungen nur mit abschätzigen Blicken zu. So tanzen und singen sie durch die Nacht aus Angst vor dem Tag. Betäubt und im Rausch verliert der Körper seine Bedeutung. Seine Anwesenheit bloßer Fakt ohne Relevanz. Getrieben durch die Gier nach mehr bewegt er sich weiter, unwissend des Ziels, doch ohne Möglichkeit zu stoppen. Bis irgendwann auch in dieser abgeschotteten Umgebung der Tag einbricht und die Lichter grell und blendend von der Decke strahlen.

Wie der Schatten, der das Licht meidet, treibt es einen raus. Hinaus in den anbrechenden Tag mit einem gebrochenen Körper. Im Licht der Dämmerung wird verzweifelt nach dem Geborgenheit-gebenden Bett gesucht. Eines, was Wärme spendet und die Kälte der Nacht vergessen lässt. Eines, in dem man im komatösen Zustand die Probleme des Alltags passieren lassen kann mit dem Wunsch nach einem Erwachen in Klarheit. Doch anstelle dessen gibt es bloß Nebelschwaden.

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