Spätsommergewitter

So sitzen wir in unseren kleinen Habitaten und freuen uns über den Regen, der von draußen gegen die Fenster klatscht. Applaus für die persönliche Isolierung und Schutzbauten vor den Ungenügsamkeit des Lebens. Versteckt im Inneren können wir genüsslich beobachten, wie all das, was draußen ist, nass wird. Ungehindert ergießt sich das feuchte Nass über das und die, welche es nicht geschafft haben, sich ein Dach über dem Kopf zu besorgen. Spült fort den angesammelten Dreck und befreit die Fußwege von seinen umherwandernden Peinigern. Es wird sich untergestellt, Schutz gesucht, die Jacke über den Kopf gezogen und gerannt, als gebe es kein trockenes Morgen. Hin und wieder richtet sich bei dem ein oder anderen der leicht entrückte Blick gen oben. Hin zu dem, worauf wir keinen Einfluss haben und, was über unseren Köpfen eine Demonstration der Machtverhältnisse veranstaltet. Der Donner grollt voller Wollust in der Ferne und verkündet von längst Vergangenem. Übervoll mit Kraft verteilen sich die winzigen filigranen Adern des Himmels am Horizont, erleuchten die finstere Nacht und lassen einen Blick auf all das, was sich in ihr versteckt, zu. Voller Hingabe bewundert man das verheißungsvolle Licht, welches den Schrecken der Dunkelheit zu nehmen scheint und dabei voll unermesslicher Zerstörungskraft ist. Gefangen in der Schönheit und Kraft der Natur, die Augen geweitet und schmerzend des grellen Lichts, während Ströme von Wasser sich einen Weg entlang des Körpers bahnen. Noch immer bringt das faszinierende Spiel Tod und Verderben über seine unbedeutenden Beobachter. Nicht mehr wie zu Urzeiten, aber auch die trotzigste Trotzburg ergibt sich ihr irgendwann. Was zieht den modernen, durch seine achso vielen angenehmen Gemütlichkeiten verwöhnten, nur hinaus in dieses ungemütlich entwöhnende Wetter? Hypnotisiert von der Kraft, der Erfrischungsmöglichkeit an klebend warmen Tagen oder doch nur die Suche nach der verlorenen Urgewalt, in einer von Schutzmechanismen und Möglichkeiten nur so strotzenden Welt. Der Applaus der Fenster wird leiser, das Spritzen der Wasserfontänen der Autos lauter. Die Ruhe kehrt zurück. Erste Waghalsige rennen durch die Straßen und springen über Pfützen, in der Hoffnung, vor dem nächsten Schauer die heilversprechende Tür zu erreichen, während hin und wieder noch der Himmel aufblitzt und die Dunkelheit verjagt. Es ist weiter gezogen. unbeeindruckt von den Bewunderungs- und Drohgebärden seiner ihm Erlegenen. Zurück bleibt das Wasser im Rinnstein und die Normalität, während die Welt allmählich wieder in der der Dunkelheit der Nacht verschwindet.

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2 Kommentare

  1. Mag ich sehr, sehr, sehr! Kompliment an den Autoren! :)

    - ihren ersten Kommentar hinterlassende Tänne ;)

    01 . 
    Tänne
    geschrieben am 23. Oktober 2011 um 19:31
  2. Some really wonderful work on behalf of the owner of this website, dead great written content.

    02 . 
    Louis Augliano
    geschrieben am 26. Februar 2012 um 15:52
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    • ExCheffe: Schön, schön, wird ja alles bei dir. Alles Gute weiterhin und frohe Feiertage. Viele Grüße vom ExChe ...
    • netfighters: Also ich habe Kiel erst in diesem Jahr kennen und lieben gelernt und sehr vieles was in dem Video zu ...
    • ExCheffe: Glückwunsch und aussprechende Annerkennung!!! ...
    • ExCheffe: Jaaaaaaa! Vieleicht beim Master :-) Gruß ExCheffe ...
    • raven: per spontan Einfall im Dozenten Büro :) mein erstes Thema, was aufgrund von Projekten und zeitlicher ...